Kulturdschungel: Weihnachten in Amerika

Weihnachten in den Sommerferien und Süßigkeiten im Überfluss. Zum 3. Advent reisen wir nach Nord-, Mittel- und Südamerika , um die Weihnachtstraditionen vor Ort kennenzulernen.

Nordamerika
Mexiko

In Mexiko hat vor allem die spanische Kolonialzeit Spuren hinterlassen. Vom 16. Dezember bis Heiligabend feiert man die sogenannten Posadas: Zwei verkleidete Personen prozessieren, in Erinnerung an die Herbergssuche von Maria und Josef, durch die Straßen und klopfen mit der Bitte um Unterkunft an die Haustüren. In den Häusern und auf den Straßen versammeln sich hierfür Familien und Freunde.

Das letzte Haus ist vorab ausgewählt. In diesem werden die Suchenden ins Haus gebeten. Ihnen werden Speisen und Getränke gereicht, darunter Piñatas. Die mit Süßigkeiten gefüllten Tonkrüge symbolisieren das Böse und müssen zerschlagen werden, um für alle Segen zu bringen. Traditionell darf jeder probieren, die Kinder zuerst.

Der Heiligabend wird gerne in der Großfamilie gefeiert. Oft wird Truthahn aufgetischt. Der Einfluss der westlichen Kultur tritt jedoch vermehrt zutage: Christbäume und Lichterketten haben längst Einzug in die heimischen Wohnzimmer gehalten. Die Bescherung findet allerdings weiterhin, ähnlich wie in Südamerika, erst nach der Mitternachtsmesse statt. Auch das Christkind wird erst nachts in die Grippe gelegt.

Mittelamerika
Kuba

Im sozialistischen Kuba genießen christliche Feiertag keinen großen Stellenwert. Erst Ende der 90er führte man den 25. Dezember als offiziellen Feiertag ein.

Lust zu feiern haben die Kubaner dennoch. An Heiligabend trifft man sich mit der Familie, isst und trinkt. Auf den Straßen lädt Musik zum Tanz ein. Allerdings haben die Kubaner an sich keine eigenen, historisch gewachsenen Bräuche. Vielmehr übernimmt man Einflüsse aus dem Ausland, vor allem in den Touristengegenden – zumeist Kitsch. Plastikbäume und bunte Dekorationen kann man schon lange vor Weihnachten erwerben.

Das für die Kubaner wichtigere Fest findet dann zum Jahreswechsel statt: Dann ist nicht nur Neujahr, sondern auch Nationalfeiertag, an dem die Kubaner die gelungene Revolution feiern.

Südamerika
Brasilien

Die Traditionen der Brasilianer ähneln den europäischen und nordamerikanischen. Es gibt Weihnachtsbäume, Weihnachtskarten, die Krippe und den Wichtelbrauch. Selbst auf dekorierende Lichter möchte man hier nicht verzichten. Der fehlende Frost wird kurzerhand durch Kunstschnee und versilberte Äste wettgemacht. Am Tag des Heiligen Abends kann es schon auch vorkommen, dass es auf die Straßen schneit. Allerdings sind die Flocken nicht echt, sondern Papierschnipsel. Angestellte zerschreddern ihre alten Akten und lassen sie auf die Straße rieseln. Übrigens fällt Weihnachten in Brasilien mit den Sommerferien zusammen!

Wie bei uns ist der 25. Dezember ein Feiertag. Dies ist besonders wichtig, da an Heiligabend erst um Mitternacht die meisten kirchlichen Messen beginnen. Dort feiert man die „Missa do Galo“ (Messe des Hahnes). Auch die Bescherung und das Weihnachtsessen finden erst zu später Stunde im Kreis der Familie statt.

In Rio de Janeiro hat man sich Einiges einfallen lassen. Auf dem Stadtsee, der Lagoa Rodrigo de Freitas, wird alljährlich der größte schwimmende Christbaum errichtet. Er ragt bis zu 80 Meter aus dem Wasser und ist behängt mit Lichtern. Doch es geht noch höher. Der Weihnachtsmann fliegt jedes Jahr in die Maracanã-Fußballarena ein. Ja, richtig gelesen: er fliegt! Aber nicht auf Rentieren, sondern per Hubschrauber. Es ist der Höhepunkt der Weihnachtsshow, die mit einem Feuerwerk ihr Ende findet.

Peru

Weihnachten nennt man in Peru nicht Navidad, sondern Pascuas. Am 24. und 25. Dezember besuchen sich die Familien gegenseitig, feiern und essen zusammen. Es gibt kalte Speisen und Süßes. Vor allem der Panéton, eine Art Stollen, der in Südamerika als beliebtest Weihnachtsgebäck verbreitet ist, wird gerne serviert.

Die Weihnachtskrippe ist wichtig. Oft werden die Figuren selbst geschnitzt. Das Jesus-Kind wird allerdings erst um Mitternacht in die Grippe gelegt. Es wird bis in die Morgenstunden gefeiert. Auf den Straßen feuert man Leuchtraketen.

Wenn die Kinder schlafen, legen die Eltern ihnen die Geschenke vor die Betten. Am nächsten Tag finden die Kinder die „Mitbringsel des Christkinds“ dann direkt nach dem Aufwachen.

Mittlerweile sind die Bräuche zunehmend amerikanisiert. Künstliche Weihnachtsbäume und blinkende Lichter halten Einzug.

von Katja Beck

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.