Kinderarmut in Kambodscha

Mit großen dunklen Augen beobachten uns die Kleinen vom Straßenrand aus.

 Sie sind fasziniert von uns – den Menschen mit weißer Hautfarbe, mit eigenartigen Klamotten und einer fremden Sprache. Anders als ihre Eltern sind sie davon jedoch nicht abgeschreckt. Egal, wo wir hinkommen begegnen uns Kinder mit einem freudigen Lachen und schwungvollen Winkbewegungen.

Mein Freund und ich sind nun seit einigen Tagen in Kambodscha. Wir fühlen uns überrannt, ob der vielen neuen Eindrücke – dem Müll, der Armut, der Distanz der Khmer zu uns. Die wenigsten sprechen Englisch, nur wer Geld von uns haben möchte, kommuniziert mit uns. Anders sind die Kinder! Sie sind meist unterernährt, ihre Klamotten zerschlissen, die Haare zerzaust. Und dennoch strahlen sie eine ansteckende Lebensfreude aus. Im Dschungel Kambodschas, inmitten der Mondulkiri Provinz, drückt mir ein kleines Mädchen aus heiterem Himmel etwas Grünes in die Hand. Nach dem ersten Schreck, muss ich lächeln. Das grüne etwas ist ein Grashüpfer – gebastelt aus Schilf.

Doch die kleinen Highlights, die die Kinder für uns bedeuten, haben einen bitteren Beigeschmack. Das Königreich Kambodscha gehört zu den ärmsten Ländern Asiens. Kriege und die Schreckensherrschaft der Roten Khmer haben das Land zerstört. Noch immer sind so viele Minen verstreut wie in keinem anderen Land der Erde. Darunter zu leiden haben vor allem die Kleinsten und Wehrlosesten der Gesellschaft: 45% der Kinder sind mangelernährt, die Säuglings- & Kindersterblichkeitsrate ist die höchste in Südostasien. Um die Familie zu ernähren, arbeitet knapp die Hälfte der Kinder zwischen 5 und 14 Jahren – statt zur Schule zu gehen.

Auf einer Straßenbaustelle im Dschungelgebiet machen wir eben diese Erfahrung. An den schweren und alten Maschinen schuften Jungen, deren Körpergröße kaum das Rad des Baggers übersteigt. Einen Erwachsenen sehen wir nicht! An den Orten, wo auch Touristen hinkommen, hat man hingegen eine andere Taktik entwickelt: Dort werden die Kinder zum Betteln geschickt! In Phnom Penh und Siem Reap sehen uns beinahe minütlich traurige Kinderaugen an. Wir schauen weg! Man solle, so heißt es, diese Taktik nicht unterstützen. Eltern hätten sonst keinen Anreiz ihre Kinder zur Schule zu schicken. Doch es fällt schwer! Mehr als einmal überlege ich, ob ich nicht doch ein paar Cent geben sollte.

Auf dem Nachtmarkt in Phnom Penh schließlich geben wir nach. Ein Junge und ein Mädchen, wahrscheinlich Geschwister, stehen plötzlich neben uns. Sie sind abgemagert, das Mädchen – selbst geschätzt nur etwa 6 Jahre alt – trägt ein Kleinkind mit sich. Auf ihrem Arm sieht das Kind aus wie tot. Tapfer schüttle ich – wie etliche Male zuvor – den Kopf, bis ich sehe, was die Kinder wollen: Zittrig führt der Junge seine Hand zum Mund. Wir verstehen! Die Kleinen bitten diesmal nicht um Geld, sondern um Essen. Wir schöpfen also von unserem Essen etwas ab, sehen zu wie sich die Kinder mit demütigen Verbeugungen von uns entfernen und sich dann gierig über das Essen hermachen.

Die schönen Augenblicke, die wir mit kambodschanischen Kindern erlebt haben, sind in solchen Momenten wie weggeblasen. Was bleibt ist die ständige Frage, ob man nicht hätte mehr tun können. Und die bittere Antwort: Man kann nicht allen helfen!

von Katja Beck

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