Tipps & Tricks: Studium in Guatemala

Wie aus einer anderen Welt ragen die Ruinen des einst blühenden Maya-Reiches aus dem guatemaltekischen Dschungel empor. Noch heute werden dort aktiv 22 Maya-Sprachen gesprochen. Amtssprache ist jedoch Spanisch. Sie lockt vor allem Studenten in das Land: Viele haben die Sprache bereits gelernt, wollen aber nicht in Europa bleiben. Du gehörst auch dazu? Wir geben dir einen Überblick über das, was du für ein Studium in Guatemala wissen musst.

Das Hochschulsystem

Das guatemaltekische Bildungssystem ist mangelhaft. Nur 2,8% des BIP werden für Bildung ausgegeben. Entsprechend hoch ist die Analphabetenrate und niedrig die Anzahl der Bildungsstätten. Fast ein Drittel der Frauen beendet die Schule nicht. Auf dem Land ist die Zahl noch höher. Generell ist das System sehr städtisch geprägt. In den Städten sind die Klassen kleiner, die Zahl der Einrichtungen höher und das Personal qualifizierter. 

Bei den Universitäten sind in den letzten 20 Jahren einige Fortschritte erzielt worden. Sie verwalten sich weitestgehend selbst, bestimmen eigenständig über Lehrkräfte und Studienplatzvergabe. Guatemala hat nur eine staatliche Hochschule, die mehrere regionale Niederlassungen besitzt. Die restlichen 13 Universitäten sind privat. Letztere werden aber von staatlicher Seite kontrolliert, um die Anerkennung der Abschlüsse zu gewährleisten.

Das Studiensystem

Wie in Deutschland gibt es an den Universitäten Vorlesungen, Seminare und Kurse, für die Leistungspunkte vergeben werden (Créditos Académicos). Auch gibt es die Unterteilung in ein grundständiges und ein weiterführendes Studium. In grundständigen Studiengängen existieren verschiedene Abschlussarten. Der Bachiller oder Baccalaureus entspricht dem Bachelor, ist allerdings weniger eine Spezialisierung, sondern dient der Sicherung einer breiten Allgemeinbildung. Er dauert vier Jahre. Medizinstudenten hingegen arbeiten in sieben Jahren auf den Titulo de Licenciada und z.B. Architekturstudenten auf den Títuli Profesionales hin. Neben einem allgemeinbildenden Teil sind hier schon berufspraktische Anteile vorhanden. Im weiterführenden Studium (Maestria und Maestro) stehen dann praktische Studieninhalte im Vordergrund. In Guatemala dauert das akademische Jahr von Januar bis November. Die Unterteilung in Semester ist universitätsabhängig. 

Eine Übersicht zu Anerkennung von Studienleistungen und Abschlüssen gibt es hier.

Voraussetzungen für ein Studium

Allgemein gültige Zulassungsvoraussetzungen sind schwer auszumachen. Je nach Universität können Eignungstests, Sprachnachweise oder ein extra von der guatemaltekischen Regierung anerkannter Schulabschluss verlangt werden. Diese Informationen solltest du auf jeden Fall bei der Zieluniversität direkt erfragen. Nur so kannst du sicher sein, dass du am Ende alle nötigen Dokumente für die Bewerbung beisammenhast. Fortgeschrittene Spanischkenntnisse solltest du aber definitiv mitbringen.

Detaillierte Informationen zu Studiengebühren und Zulassungsvoraussetzungen findest du hier.

Kosten

Alle guatemaltekischen Universitäten erheben Studiengebühren. Je nach Einrichtung solltest du hierfür 600-2500€/Jahr einplanen. Dazu kommen Immatrikulationsgebühren zwischen 50-60€.

Die Lebenshaltungskosten sind niedriger als in Deutschland, regional jedoch sehr unterschiedlich. Guatemala-Stadt ist beispielsweise im nationalen Vergleich recht teuer. Prinzipiell solltest du dich auf einfache Lebensverhältnisse einstellen, vor allem auf dem Land. Hier findest du eine Übersicht zu den Lebenshaltungskosten.

Für die Unterkunft solltest du dir eine Gastfamilie oder eine WG suchen. Studentenwohnheime gibt es kaum. Diese Portale helfen dir bei der Wohnungssuche:

Des Weiteren solltest du Flugkosten (750€-900€), Kosten für das Visum (25€), Kosten für Ausflüge etc. mit einplanen. Am besten machst du dir vorab eine Liste der Dinge, die du im Alltag brauchst und die du gerne vor Ort machen bzw. sehen möchtest.

Finanzierung

Wie bei allen Auslandsreisen kannst du auch hier ein Auslands-Bafög beantragen oder dich bei Organisationen wie DAAD um ein Stipendium bewerben. Auch private Anbieter wie Studieren ohne Grenzen vergeben für Guatemala Stipendien.

Voraussetzungen und Wichtiges für die Einreise
  • Visum: Für einen Aufenthalt für bis zu 90 Tagen benötigst du als deutscher Staatsangehöriger keine Aufenthaltserlaubnis. Solltest du länger als drei Monate in Guatemala studieren, brauchst du ein Studentenvisum. Die genauen Formalitäten erfragst du am besten bei der guatemaltekischen Botschaft.
  • Impfungen: Du solltest dich gegen Hepatitis A, Masern, Pertussis und Diphterie impfen lassen und deinen Tetanusschutz überprüfen. Erfahrungsberichte legen außerdem ein Tollwut-Impfung nahe. Genaueres kannst du hier erfahren
  • Sicherheitslage: Guatemala ist kein sicheres Land. Gehe besser nicht allein auf die Straße und bewahre deine Wertgegenstände sicher auf. Es kann außerdem immer mal wieder zu Erdbeben kommen. Informiere dich am besten kurz vor deinem Aufenthalt über die aktuelle Lage auf der Seite des Auswärtigen Amts.
  • Geschichte des Landes: Vor deinem Auslandsaufenthalt solltest du dich auf jeden Fall mit der guatemaltekischen Geschichte auseinandersetzen. Wie andere mittelamerikanische Staaten hatte die Bevölkerung Guatemalas Jahrzehnte mit Bürgerkriegen zu kämpfen – übrigens nicht unwesentlich unterstützt von den USA. In blutigen Auseinandersetzungen der Militärregierung und den Guerilla verbrannten bis 1996 ganze Dörfer. Mehr als 200.000  Menschen ließen dabei ihr Leben, zumeist die indigene Bevölkerung. Diese Jahre der Unterdrückung haben ihre Spuren hinterlassen. Die Universitäten beispielsweise wurden in dieser Zeit nicht ausgebaut. Viele von ihnen waren sogar Orte des Widerstands, an denen Professoren und Studenten größtenteils friedlich demonstrierten. 

von: Katja Beck

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