Nachgefragt: Praktikum Israel

Johanna hat ein Praktikum in Israel gemacht.Von ihren Erfahrungen berichtet sie hier.

Vorbereitung für das Praktikum in Israel

Warum hast du dich für Israel entschieden?

Ich war noch nie vorher in dem Land, aber man hört so viel über Israel und ich habe viele Freunde, die dort waren und sehr begeistert davon waren. Da ich in meinem Studium sowieso zwei Auslandssemester machen muss, dachte ich mir, das wäre eine gute Möglichkeit ist nach Israel zu gehen und das Land selbst zu entdecken. Der andere ausschlaggebende Punkt war die Organisation. Vor mir waren dort schon andere Studenten von meiner Hochschule und alle meinten, dass die NGO (non-governmental-organization) sehr professionell arbeitet und man viel lernt als Praktikant. Mir war es wichtig die Möglichkeit zu haben selbst Klienten zu betreuen und sozusagen selbst als Sozialarbeiterin zu arbeiten und nicht nur Büroaufgaben zu haben.

Wie hast du dich vorab über den Aufenthalt informiert, ihn anschließend organisiert und finanziert?

Ich habe vorher viel mit Leuten geredet, die schon in Israel und speziell in dieser Orga waren, geredet. Das schwierigste war das Visum, da ich nicht nur für 3 Monate dort bleiben wollte, sondern 6 Monate. Ich brauchte sehr viele Papiere von meiner Hochschule und ein polizeiliches Führungszeugnis mit Apostille und beglaubigter Übersetzung. Bis kurz vor meinem Abflug war nicht klar ob ich das Visum habe, aber bei meiner Einreise hat dann alles geklappt und mir wurde bei meiner Ankunft am Flughafen ein Volontärs-Visum für 6 Monate ausgestellt. Eine Wohnung zu finden war leider auch nicht einfach, da in Tel Aviv die Preise für Wohnraum sehr hoch sind und ich nicht dort war, um die Wohnungen anschauen zu können. Letztendlich bin ich mit zwei anderen in eine Ferienwohnung gezogen, die wir günstiger bekommen haben, da wir für so lange Zeit dort gewohnt haben. Vorher hatte ich mich auf ein Stipendium beworben und einen Antrag auf Auslands-BAföG gestellt. Das Stipendium habe ich leider nicht bekommen und so lebe ich von BAföG, Erspartem und Unterhalt von meinen Eltern. Gut für die Vorbereitung ist auch sich Grundwissen in Hebräisch anzueignen.

Gab es bei der Vorbereitung Schwierigkeiten oder Hindernisse, auf die du gestoßen bist?

Ich fand es schwierig eine Wohnung zu finden und alle Papiere für das Visum zu bekommen.

Wurdest du von einem Programm oder einer Organisation unterstützt? Falls ja: Welche Unterstützung hast du bekommen und wie hilfreich war sie?

Ja, praktische Tipps, alltagstauglich, sehr hilfreich. Die Koordinatorin von Assaf stand immer für Fragen zur Verfügung und hat mir viel mit dem Visum geholfen. Auch als ich dort war, konnte ich sie immer fragen, auch zu einfachen Dingen wie „Wo kann ich gut und günstig einkaufen?“, „Woher bekomme ich eine Sim-Karte?“, Wie funktioniert das Bus-System?“, also insgesamt sehr gute Betreuung. Im Vorfeld wäre es für mich leichter gewesen, wenn jemand vor Ort mir bei der Wohnungssuche mehr geholfen hätte.

Vor Ort: Das Leben in Israel

Was ist dir über Land & Leute in Erinnerung geblieben?

Tel Aviv ist laut, stressig, immer wach, heiß, kunterbunt, lebensfroh und absolut einzigartig. Ich finde die Menschen sind oft sehr direkt und eher eine „Ellenbogen-Kultur“, in der man sich auch mal anschreit. Das Land ist wunderschön, besonders das Meer und der Strand, aber auch die Wüste und die Berge im Norden oder auch See Genezareth. Je nachdem, wo man in dem Land ist, bekommt man einen völlig anderen Eindruck, auch von der Lebensweise. Der Konflikt ist in manchen Städten kaum spürbar und in anderen ist er wieder sehr präsent. Ich fand es sehr wichtig mir auch die West Bank anzuschauen und würde jedem empfehlen zumindest mal nach Ramallah zu reisen und sich nicht nur auf israelischer Seite zu bewegen.

Was hat dich überrascht (z.B. kulturelle Eigenheiten)?

Ich musste mich erst daran gewöhnen so viel Militär zu sehen und dass dauernd meine Taschen durchsucht wurden, wenn ich nur Zug fahren oder einkaufen gehen wollte. Jeder hier in Israel hat eine Meinung, sowohl politisch, als auch religiös. Diese Meinungen reichen von einem Extrem zum anderen (politisch von total links bis total rechts) und religiös über alle Extreme und Schattierungen des Judentums, Christentums und des Islams. Diese Menschen leben direkt nebeneinander und auf engem Raum, da sind Spannungen vorprogrammiert.

Wie sind die Leute vor Ort auf dich zugegangen bzw. wie hast du die Lebensart dort empfunden?

Sehr offen und direkt. Ich wurde oft angesprochen und mir wurde immer weitergeholfen. Ein Israeli hat mal sehr passend gesagt: „You do not get to know the Israelis, they will get to know you.“ Ablehnung habe ich als “Deutsche” nie erfahren, sondern eher positive Äußerungen. Im Gegensatz dazu wurde ich ignoriert und auch einmal angeschrien dafür, dass ich mit Flüchtlingen arbeite. Flüchtlinge, besonders aus Afrika, mit nicht-jüdischer Abstammung, sind in diesem Land von einem Großteil der Bevölkerung nicht gerne gesehen und das wurde mir auch deutlich gezeigt, wenn ich Menschen vor Ort von meiner Arbeit erzählt habe.

Fazit: Die Erlebnisse im Rückblick

Welche Tipps kannst du für ein solches Vorhaben geben?

  • Gut informieren über Land und Leute
  • wenn man im Land ist: So früh wie möglich anfangen mit Rumreisen und die verschiedenen Gegenden, Städte und Nature Reserves entdecken
  • einen Reiseführer kaufen
  • Facebook-Gruppen wie „Secret Tel Aviv“ sind sehr hilfreich

Würdest du im Nachhinein etwas anders machen, wenn du könntest? Wenn ja was?

Ich würde früher und ernsthafter mit Hebräisch lernen anfangen.

Wie würdest du deinen Aufenthalt in einem Satz beschreiben?

Wunderschönes Land mit crazy Leuten, in das ich wieder reisen würde, aber ungern dort für längere Zeit leben wollte (also länger als 1 Jahr).

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