Nachgefragt: Studium Mexiko

Bianca D. erzählt über ihr Auslandssemester in Mexiko

Vorbereitung

Warum hast du dich für ein Studium in Mexiko entschieden?Am wichtigsten war mir raus aus Europa zu kommen, ich wollte eine komplett neue Kultur kennenlernen. Zudem wollte ich in einem warmen Land studieren und die Vorlesungen dort auf Englisch besuchen. Außerdem habe ich eine Freundin aus Mexiko, diese meinte das Land wäre fantastisch und es würde mir gefallen. Also habe ich auf meinen Bauch gehört und mich relativ uninformiert entschieden.

Wie hast du dich vorab über den Aufenthalt informiert, ihn anschließend organisiert und finanziert? Vorab habe ich mich kaum über Mexiko informiert, ich kannte nur die gängigen Klischees und habe im Voraus auch nicht wirklich Spanisch gelernt. Als ich ankam konnte ich nur sagen, dass ich kein Spanisch spreche, was rückblickend keine gute Entscheidung war.

Die Universität in Guadalajara wurde von meiner FH in Deutschland organisiert und ich musste lediglich eine unverbindliche Kursauswahl treffen. Eine Wohnung organisierte ich mir über Bekannte bei einer Organisation für Austauschstudenten. Zudem buchte ich mir einen Hin- und Rückflug, schloss eine Versicherung ab und kaufte mir einen Reiseführer (den ich erst in Mexiko am jeweiligen Ort zu Rate zog.)

Mein Auslandsjahr finanzierte ich mit BaFöG, Kindergeld, einem Stipendium der DAAD und meinen eigenen Ersparnissen.

Gab es bei der Vorbereitung Schwierigkeiten oder Hindernisse, auf die du gestoßen bist? Schwierigkeiten traten alle zum Glück erst auf als ich in Mexiko gelandet war, hätte ich gewusst was alles passiert hätte mich evtl. im Vorhinein der Mut verlassen.

Wurdest du von einem Programm oder einer Organisation unterstützt?Meine FH in Deutschland organisierte alles was mit der Uni in Mexiko abzuklären war. Bei der Wohnungssuche und anderen Fragen erhielt ich Hilfe von INTEGRATE Guadalajara, (Organisation die Häuser für Studenten vermietet und Partys und Reisen organisiert) für den Anfang empfehlenswert wenn man kein Spanisch spricht

Vor Ort

Was ist dir über Land & Leute in Erinnerung geblieben? – Mexiko ist ein fantastisches Land, ich habe mich bereits in den ersten Wochen in das Land verliebt. Das Land bietet alles, was man braucht – es gibt die Pazifikküste zum Surfen und weiße Karibikstrände zum Tauchen und mit tollen Partys. Es gibt sehr viele kulturelle Highlights, z.B. Chichen Itza (Weltwunder) und die 2 und 3 höchste Pyramide der Welt. Zudem ist die Landschaft umwerfend und sehr abwechslungsreich – von Gebirgen mit Schnee über Dschungel bis hin zu Wüstenregionen.

Über die Menschen in Mexiko kann ich nur sagen, dass sie sehr gastfreundlich und hilfsbereit sind. Ein Taxifahrer hat mit mir eine Stunde meine Adresse gesucht hat, da ich mir die Falsche gemerkt hatte und kaum Spanisch sprach. Mexikaner sind sehr neugierig und fragen einem ein Loch in den Bauch über Deutschland und die Fußballweltmeister (Mexikaner sind fußballverrückt).

Was hat dich überrascht (z.B. kulturelle Eigenheiten)? Viele Mexikaner sind sehr religiös, deshalb ziehen sie erst bei den Eltern aus wenn sie nach der Ehe mit ihrem Partner zusammenziehen. Zudem spielt die Familie einen viel wichtigere Rolle als in Deutschland, bei Familienfeiern kommen gefühlt 80 Leute und alle 70 Cousinen.

Wie sind die Leute vor Ort auf dich zugegangen bzw. wie hast du die Lebensart dort empfunden? Im Alltag auf der Straße wurde ich zu Beginn angestarrt wie ein bunter Hund. Nach einer Weile hat sich dies gelegt, da nicht mehr ganz so weiß war wie eine Wand. In der Uni wurde ich sehr herzlich aufgenommen und hatte sehr schnell viele neue Freunde aus Mexiko und vielen verschiedenen anderen Ländern. Da ich viel Wert daraufgelegt hatte mit Mexikanern zusammenzuwohnen, wurde bei mir im Haus hauptsächlich Spanisch gesprochen und mexikanisches Essen gekocht. Ich fand es sehr einfach neue Leute kennenzulernen.

Die Lebensart ist mit deutschen Standards nicht zu vergleichen (Wohnung mit gleichem Standard sind teuer). Wenn man auf etwas Komfort verzichtet und sich mit der ein oder anderen Kakerlake arrangieren kann, bekommt man für unter 200 Euro im Monat ein schönes Zuhause. Lebensmittel im Supermarkt sind etwas günstiger als in Deutschland und Obst und Gemüse kostet fast nichts auf dem Markt. Für 5 € kann man richtig gut im Restaurant essen und für 1,5 € bekommt man das beste hausgemachte Essen auf der Straße (man braucht aber einen abgehärteten Magen).

Die Lebensart ist viel entspannter als in Deutschland, die Leute nehmen sich Zeit für Ihr Leben und sind selten gestresst. Man kommt zum Treffen einfach eine Stunde zu spät und ist immer noch als Erster da. Es wird viel getanzt und viel Alkohol getrunken, das Lebensgefühl ist wie im Urlaub.

Fazit

Welche Tipps kannst du für ein solches Vorhaben geben?Spanischkenntnisse helfen sehr viel, da die Leute auf der Straße kaum englisch sprechen. Man kann eh nicht alles planen in einem so chaotischen Land, also einfach mal spontan schauen was passiert und nicht über das Chaos aufregen.

Würdest du im Nachhinein etwas anders machen, wenn du könntest? Wenn ja was? Ich würde fast alles genauso machen, da mein Jahr in Mexiko perfekt war. Nur niemals die Tasche im Auto stehen lassen, wenn sie danach noch drin stehen soll!

Wie würdest du deinen Aufenthalt in einem Satz beschreiben? – Viel besser als ich es mir vorgestellt habe, ich habe ein zweites Zuhause gefunden.

 

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