Nachgefragt: Au Pair Spanien

Caro hat als Englischlehrerin für eine spanische Familie gearbeitet. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen.


Vorbereitung auf die Arbeit als Au-Pair in Spanien

Warum hast du dich für Spanien entschieden? 

Ich wollte einfach ins Ausland und dort eine neue Sprache lernen. Da ich noch kein Spanisch konnte, und selbiges als Weltsprache oft nützlich ist, musste ich die Wahl letztlich nur noch zwischen Europa und Südamerika fällen. Das geschah aufgrund meiner Finanzlage dann wie von selbst 😉

Wie hast du dich vorab über den Aufenthalt  informiert, ihn anschließend organisiert und finanziert? 

Ich habe die gesamte Planung innerhalb eines Tages vollzogen, besonders viele Infos eingeholt habe ich nicht. Ich hatte online eine Familie gefunden, die mich als Englischlehrerin einstellen wollte – als Gegenleistung kamen sie für meine Unterkunft und Verpflegung auf. Zudem gab es ein kleines wöchentliches Taschengeld. Ich habe bis zur Zeit meiner Abreise dual studiert und hatte somit genug Geld für einen Flug mit einer Billig-Airline.

Gab es bei der Vorbereitung auf dein Praktikum Schwierigkeiten oder Hindernisse, auf die du gestoßen bist? – Nein.

Wurdest du von einem Programm oder einer Organisation unterstützt?– Nein.


Vor Ort : Englischlehrerin in einer spanischen Familie

Was ist dir über Land & Leute in Erinnerung geblieben?  

Da ich in einer sehr reichen Gegend lebte vor allem die Verwunderung über den Luxus, den manch einer für alltäglich hält. Meine Hosts in Spanien hatten einen Pool, einen Tennisplatz, mehrere teure Autos und vor lauter sozialen Verpflichtungen nie Zeit für ihre Kinder. Das Fleisch gewordene Klischee einer „Elite“, so überzogen dass es sich beinahe nicht real anfühlte. Aber auch viel spanische Kultur – explosiv und bunt, dramatisch und laut. Man lebt jeden Tag als wäre es der letzte, sich über die Zukunft Gedanken zu machen ist verpönt.  

Was hat dich überrascht (z.B. kulturelle Eigenheiten)?  

Die Menschen in Spanien haben so viel Feuer. Alles war sehr viel lauter, emotionaler und bunter als ich es gewohnt war. Kleine Diskussionen fühlten sich zu Beginn an, wie ein riesiger Streit. „Bis die Fetzen flogen“ dauerte es meist nur wenige Sekunden. Kurz darauf war aber alles wieder gut, man lag sich lachend in den Armen.  

Wie sind die Leute vor Ort auf dich zugegangen bzw. wie hast du die Lebensart dort empfunden?

Das war sehr unterschiedlich. Einige – insbesondere andere junge Reisende – waren sehr offen und kommunikativ. Freundschaften entstanden schnell, man zeigte sich die schönsten entdeckten Orte und stand sich bei Problemen zur Seite. Ältere Menschen und Eingeborene im Allgemeinen waren oft etwas zurückhaltender. Sie wissen, dass unser Aufenthalt in ihrem Leben begrenzt ist. So blieben sie oft distanzierter. 


Fazit

Welche Tipps kannst du für ein solches Vorhaben geben? 

Gebt kein Geld für Agenturen oder Programme aus! Im Zeitalter des Internets ist das wirklich unnötig. Per Skype-Call könnt ihr euch eure Hostfamilie oder euren Arbeitgeber vorab genau anschauen und prüfen, ob ihr auf einer Wellenlänge seid – eine Agentur kann euch zwar neu vermitteln, sollte es zu Problemen mit den Hosts kommen, doch zum Einen könnt ihr das vor Ort auch problemlos selbst regeln, zum Anderen muss es bei genug Absprachen und Kontakt vorab ja auch nicht erst soweit kommen.  

Außerdem sollte man sich vorher sehr genau Gedanken darüber machen, zu welcher Arbeit man bereit ist. Der Job als Au-Pair wird oft verkauft als entspanntes Geldverdienen mit süßen Kids auf dem Spielplatz, und lustigen Ausflügen mit der Familie. Die Realität sieht oft anders aus – wenig bis keine Freizeit, viel Haus- und Putzarbeit, sehr schlechte Bezahlung, und Kinder die dank jährlich wechselnder Au-Pairs weder Respekt vor noch Interesse an ihrer Nanny haben. Passt etwas nicht, haben die Familien selten Probleme innerhalb weniger Tage eine neue Au-Pair zu finden. Ich habe nur wenige Au-Pairs kennengelernt, die ihre Hostfamilien überhaupt richtig kennengelernt haben – in der Regel waren sie billige Putzkräfte und Laufmädchen für tägliche Einkäufe und Fahrten zum Fußballtraining. Zeit, Land und Leute kennenzulernen, hatten die wenigsten. 

Wer Bock auf Ausland hat, sollte sich zuerst überlegen, welche Qualifikation er hat, die ihm Geld bringen könnte. Je nach Land sind beispielsweise Sprachkenntnisse auf Abi-Niveau eine absolute Ausnahmeerscheinung und bringen Euch bereits gut bezahlte Jobs. Auch sportliche oder handwerkliche Talente können Euch die Miete einbringen. Unabhängigkeit hat natürlich seinen Preis – wer die Sicherheit einer Familie möchte, ist als Au-Pair sicherlich gut bedient.  

Zuletzt – lest euch eure Verträge gut durch! Junge, unerfahrene Kids aus dem Ausland werden gerne mal ausgenutzt. Lasst das nicht mit Euch machen.

Würdest du im Nachhinein etwas anders machen wenn du könntest? Wenn ja was? 

Ich würde vermutlich vorher schon etwas Spanisch lernen, und auf jeden Fall mehr ‚rumreisen. Ich blieb während der vier Monate immer im näheren Umkreis meiner Stadt, was in Nachhinein etwas schade ist.

Wie würdest du deinen Aufenthalt in Spanien in einem Satz beschreiben? 

Aufregend, überraschend, beunruhigend – ich bin in vier kurzen Monaten erwachsener geworden, als in den 20 Jahren davor! 

 

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