Kulturdschungel: Namibia

Weite Landschaften, unberührte Natur und UrvölkerNamibia hat sich Vieles bewahrt, was andernorts längst zerstört wurde. Wer nun allerdings an eine Horde rückschrittlicher Buschmänner denkt, der irrt gewaltig. Stattdessen finden sich des Öfteren westlich gekleidete „Geschäftsmänner“, die die Touristen durch ihr Dorf führen. Denn: Namibia entwickelte vor einigen Jahren ein Naturschutzmodell, das weltweite Beachtung findet. In kommunalen Schutzgebieten erhielten die dortigen Einwohner die Verantwortung über „ihre“ Wildtiere, sowie die damit verknüpfte Partizipation an allen touristischen Verwertungsrechten. Welche Vorstellungen du besser noch ablegen solltest und was es sonst noch zu beachten gibt, erfährst du hier.

Länderdschungel

Das sieht ja aus wie bei uns! Manch einer wundert sich über die häufig westliche Struktur des Landes: Kegelbahnen, eine Eisfabrik und luxuriöse Häuser finden sich zum Beispiel heute noch in der verlassenen Stadt Swakopmund. Diese war im Goldrausch des 20. Jahrhunderts entstanden.

Als ehemals deutsche Kolonie ist Namibia vielerorts geprägt von deutscher Architektur, der Lebensart und den Umgangsformen. Noch heute sind circa 30 % der Bevölkerung deutschstämmig, davon haben rund ein Drittel einen deutschen Pass. Natürlich wird das „Winhoek“-Bier auch nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut.

Stammesdschungel

Die San: Die San sind die direkten Nachfahren der Menschen, die in der Steinzeit Süd- und Ostafrika bevölkerten. Bis ins 19. Jahrundert nutzten sie Waffen und Werkzeuge aus Stein. Heute leben sie im Norden der Kalahari. Sie und ihre Kultur sind fast verschwunden.
Die Nama:
Die Nama ähneln den San – auch in der Sprache. Lediglich ihre Hautfarbe ist etwas heller und sie sind meist größer. Für die Sprache sind Klicklaute typisch.
Die Damara:
Sie verwenden die gleiche Sprache wie die Nama, sind aber sonst sehr gegensätzlich: Sie sind groß und kräftig und haben eine tiefschwarze Hautfarbe. Sie haben sich über die Jahrhunderte unter die Leute gemischt und leben in allen Schichten und Regionen des Landes.
Die Ovambo:
In der am dichtesten besiedelten Region des Landes, nördlich der Etosha Pfanne, sind die Ovambo zuhause. Die meisten von ihnen betreiben Landwirtschaft. Im Widerstandskampf gegen Südafrika spielten sie eine aktive Rolle und stellten sogar den ersten Präsidenten des Landes.
Die Herero:
Die Herero sind nicht zu übersehen. Ihre Frauen tragen meist lange, viktorianische Kleidung, die ursprünglich von den Europäern ins Land gebracht wurden. Heute wird der Kleidungsstil als eigene Tradition gesehen.

Dschungel der Benimmregeln

Begrüßung: Die Namibier begrüßen sich wie wir mit Handschlag und einer kurzen Frage über das Wohlbefinden. Allerdings wird schneller geduzt. Besonders in ländlichen Regionen sollte man darauf achten, dass man stets die Einheimischen grüßt.

Kleidung: Durch den europäischen Einfluss macht man sich kaum Gedanken über die Kleidung. Einfach dem Anlass entsprechend! Du sollest allerdings auch beachten, dass weiße Socken und Sandalen dich unweigerlich als Tourist identifizieren. Ein gefundenes Fressen für Souvenirhändler!

Fotos: Wie bei uns sollte man um Erlaubnis fragen, bevor man die Einheimischen fotografiert. Ab und zu wird auch eine kleine Gegenleistung erwartet. Verboten sind allerdings Fotos von öffentlichen Einrichtungen, militärischen Anlagen, Gefängnissen und Polizeistationen!

Tabus:

  • Durch die lange Zeit der Kolonialisierung und der Apartheid, die das Land bis heute spaltet, werden Weiße generell mit Reichtum assoziiert. Eine zu starke Zurschaustellung von Schmuck, Uhren oder ähnlichen „Statussymbolen“ ruft entsprechend Unmut hervor.
  • Wasser ist ein kostbares Gut. Verschwenderisches Verhalten ist daher nicht gerne gesehen!
  • Ein großes Tabu ist außerdem das Fahren abseits der Straße. Die unberührte Natur soll auch so bleiben!
  • Wenn du auf deutschstämmige Bevölkerung triffst, solltest du immer beachten, dass diese deutschen Verhaltensweisen, die Geschichte oder die Politik auch immer durch die namibianische Brille sieht. Deutsch ist nicht gleich deutsch!

Essen und Trinken: In Namibia gibt es eine breite Auswahl an Speisen und Getränken. Besonders beliebt – ein „Nationalsport“, wenn man so will – ist das Braai. Die Braaiplats sind Grillplätze, die mit allem belegt werden, was nicht rechtzeitig fliehen konnte. Daneben gilt das Mopane Caterpillar als Spezialität und ist gleichzeitig ein kleiner Test für die Touristen. Denn: Die gerösteten Würmer werden gerne Gästen angeboten, um zu sehen, inwiefern man sich auf die einheimischen Sitten einlässt. Wenn du dich traust die Würmer zu essen, ist es auch gut möglich, dass du mit Applaus belohnt wirst.

Trinkgeld: Aufgrund des geringen Gehalts sind viele der Einheimischen auf das Trinkgeld angewiesen. Üblich sind 10%.

Verhaltensdschungel

Bettler: Neben den erkennbaren Bettlern in den Städten gibt es auf dem Land oft Namibier jeden Alters, die um kleine Geschenke bitten. Es ist ratsam, in diesem Fall nur Kleinigkeiten wie zum Beispiel Süßigkeiten oder ähnliches zu geben und auch nur für eine Gegenleistung (zum Beispiel Bereitschaft zum Foto, etc.).

Kriminalität: In Namibia herrscht alltäglich starke Kriminalität. Du solltest abends oder nachts keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und möglichst immer nur das Notwendigste dabeihaben. Am besten ist immer ein Taxi!

Sex: Leider ist HIV ein großes Problem im Land. Falls dich die Lust also überkommt, dann bitte nur mit Kondom!

Und noch was Interessantes…

🙂 Restaurants werden oft mit einem bis drei Y bezeichnet. Es beschreibt die Auswahl an alkoholischen Getränken: ein Y = Bier, zwei Y = Bier und Wein, drei Y = alle möglichen Alkoholika.

🙂 Feenkreise sind botanische Phänomene in Namibia. Dabei handelt es sich um runde, kahle Stellen inmitten einer Grasfläche. Warum das so ist, weiß bisher niemand!

🙂 Englisch ist zwar die Amtssprache, Afrikaans und Deutsch gelten jedoch als Verkehrssprachen. Also, kein Problem, wenn du im Englischunterricht nicht aufgepasst hast!

🙂 In Namibia sind die Mehrheit der Menschen Christen. Außerdem sind Naturreligionen verbreitet. Muslime sind hingegen in der Unterzahl.

von Katja Beck

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