Kulturdschungel: Chile

Chile ist ein Land zwischen den Welten – zumindest kulturell gesehen. Die hohe Anzahl europäischer Vorfahren und die indigene Bevölkerung haben dem südamerikanischen Land einen Mix der Kulturen eingebracht. Anders als die Menschen der Nachbarländer, sind die Chilenen europäisch introvertiert und ordnungsliebend, kultivieren jedoch gleichzeitig ab und an den südamerikanischen „Machismo“ (starker Männlichkeitsstolz). Dabei sind sie weder so verschlossen wie Europäer, noch so aufbrausend wie andere Südamerikaner.

Dschungel der Sprache in Chile: Spanisch, aber anders

Die offizielle Landessprache ist Spanisch. Allerdings kann man getrost von „Chilenisch“ sprechen, denn das chilenische Spanisch ist äußerst eigen. Selbst Spanisch-Muttersprachler haben damit ihre Probleme. Die Chilenen verwenden nämlich auch Begriffe der indigenen Bevölkerung, eigene Redewendungen und bekannte Wörter in völlig neuen Kontexten. Außerdem sprechen sie sehr schnell und verschlucken die Wortendungen. Hinzu kommt eine besondere Sprachmelodie, durch die das Gesagte oft wie gesungen erscheint. Wer Spanisch gelernt hat, sollte jedoch nicht den Mut verlieren! Auch an das zunächst seltsam anmutende „Chilenisch“ hat man sich nach ein paar Tagen gewöhnt. Englisch sprechen die Chilenen eher bruchstückhaft.

Dschungel des Transports in Chile: Chaos mit Struktur

Ähnlich wie in Peru ist der Straßenverkehr in Chile – zumindest aus deutscher Sicht – ein einziges Chaos! Überholt werden kann von rechts oder links, Busse können jederzeit anhalten, um Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen. Letzteres ist üblich, da keine Haltestellen vorhanden sind. Ein Wink mit der Hand genügt, um den Busfahrer – egal wo – halten zu lassen. Sehr zum Leidwesen der anderen Verkehrsteilnehmer. Wer aussteigen will, zieht einfach an einer Leine oder drückt den Stopknopf. Die Stadt Santiago hat allerdings mittlerweile Haltestellen eingeführt.

Übrigens haben nicht nur Autofahrer mit dem Verkehrschaos zu kämpfen. Auch die Fußgänger leben gefährlich. Vorrang haben sie nie – selbst wenn ein Zebrastreifen aufgemalt oder eine Fußgängerampel grün geschaltet ist. Also Vorsicht!

Positiv ist allerdings zu erwähnen, dass Flugzeuge und Fernbusse in der Regel pünktlich erscheinen. Das mag am europäischen Einfluss liegen!

Dschungel der Verhaltensregeln in Chile: Begrüßung, Pünktlichkeit und Tabus

Begrüßung: Männer schütteln sich untereinander die Hände. Kennt man sich besser ist auch ein Schulterklopfen oder eine Umarmung drin. Frauen hingegen begrüßt man – sowohl Frauen, als auch Männer – mit einem angedeuteten Kuss auf die Wange. Ansonsten gleichen die Begrüßungsphasen den deutschen, so z.B. Guten Tag (Buenos días).

Pünktlichkeit: Zwar sind, wie oben genannt, Fernbusse und Flugzeuge europäisch pünktlich, bei Verabredungen wird der Begriff Pünktlichkeit jedoch eher südamerikanisch ausgelegt. Ein bis zu 30 Minuten späteres Eintreffen fällt dabei noch unter die Kategorie pünktlich. Höflich ist es sogar, eine halbe bis ganze Stunde später zu erscheinen, um den Gastgeber nicht in Bedrängnis zu bringen. “Verspätungen” gehören zum guten Ton!

Tabus: In Chile gilt Direktheit und Ehrlichkeit als unhöflich. Um das eigene Gesicht zu wahren oder andere nicht zu verletzen, wird auch des öfteren gelogen. Will man dennoch Kritik üben, so tut man dies nur mit einer gehörigen Packung Lob.

Interessante Fakten zu Chile

🙂 Man vermutet, dass das Wort Chile aus der Sprache der Aymara stammt. Dort bedeutet das Wort chilli „Land, wo die Welt zu Ende ist“.

🙂 Beim Aussteigen aus dem Bus ist es üblich sich beim Busfahrer zu bedanken.

🙂 In Chile gehört Toilettenpapier auf öffentlichen Toiletten nicht zum Standardinventar. Stattdessen bringen die Chilenen ihr eigenes mit. Das benutzte Papier wirft man jedoch nicht in die Schüssel, sondern in einen separaten Mülleimer. So sollen Verstopfungen verhindert werden.

von Katja Beck

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