Aktuelles: Schweden

„ […] med ost og skinke?“ Verwirrt wende ich den Blick vom Exit-Schild. Eine Stewardess der Scandinavian Airlines schaut mich erwartungsvoll an. In ihren Händen hält sie ein Tablett, darauf eine Art Wrap. „Med ost, takk!“, sage ich nach einer viel zu langen Pause. Erneut wende ich mich dem Exitschild zu.

Schon zum dritten Mal an diesem Tag habe ich mir den Boden unter den Füßen nehmen lassen. Als hätte sich jemand einen bösen Scherz mit mir erlaubt war unser Flug heute Morgen (als Einziger!!!) gestrichen worden. Die Lösung: ein Umstieg in Kopenhagen. Für mich heißt das zweimal Start, zweimal Landung, zweimal Sicherheitsvorkehrungen und Exitschilder. Was tut man nicht alles, um die Welt kennenzulernen.

Unser Zielort ist Schweden. Kalt ist es dort, teuer, viel Natur, wenig Infrastruktur, Menschen mit blondem Haar und viele kleine rote Holzhütten…soweit die Theorie. Das zumindest in der Stadt meine Vorstellung auf reinen Klischees basiert, erlebe ich schnell in Göteborg. Die Stadt mit knapp 550.000 Einwohnern ist alles andere als leer. Auch hier hetzen die Berufstätigen an dir vorbei, um noch den Bus zu bekommen, kichernde Mädchen kreuzen deinen Weg, um auch ja das nächste Schaufenster als Erste zu erreichen, und Bettler bitten um eine kleine Spende.

Den stereotypischen Schweden sehe ich kaum! Die Stadt ist sehr multikulturell, wie auch zunehmend der Rest des Landes. Die sonst so herzlichen Schweden haben langsam genug von der anfänglichen Willkommenskultur, das ist zu spüren.

Die Deutschen – die touristische Einnahmequelle Nummer 1, glaubt man unserem Vermieter – sind jedoch gerne gesehen. Leider bestätigen wir voll das Klischee: Unser erster Gang ist der LIDL, in dem wir günstig die wichtigsten Lebensmittel erwerben. Eine Schwedin, der wir zuvor erklärt hatten, wir müssten Milch einkaufen, staunt nicht schlecht als sie auf unserem Band nur Bier findet. Wir hatten sie zuvor auf Norwegisch angesprochen und nach dem Weg gefragt. Die Milch hatten wir aus Mangel an Wortschatz erwähnt. Wer konnte ahnen, dass auch sie einkaufen gehen würde!

Generell kommt uns alles etwas amerikanisch vor. In den Lebensmittelläden – nicht nur im LIDL– finden sich bergeweise Großpackungen, die wir in einem Monat nicht leer bekommen hätten. Umso größer ist die Aufgabe nur für eine Woche einzukaufen. Auf dem Weg zu unserer Hütte – zweieinhalb Stunden Busfahrt von Göteborg entfernt – sehe ich immer wieder die Schwedenflagge an den Häusern hängen. Ein bisschen stolz ist man hier wohl auch auf sein Vaterland. Hinzu kommt die etwas instabil dreinblickende Bauweise vieler Häuser mit Feuerleitern an den Außenwänden. Fragt sich nur, ob die Schweden nun amerikanisch oder einige Amerikaner schwedisch sind.

Sehr gut Englisch können sie allemal. Das ist vor allem darin begründet, dass Filme in Skandinavien kaum synchronisiert werden. Stattdessen müssen sich die Schweden mit Untertiteln in ihrer Muttersprache zufriedengeben. So kommt es, dass selbst ein schwedischer DVD-Laden kaum Filme in Schwedisch führt. Für Menschen, die eine skandinavische Sprache lernen, ein Graus. Wir jedenfalls haben Stunden in dem Laden verbracht und akribisch die Audioangaben geprüft. Unsere Ausbeute: Zwei DVDs!

Übrigens sind die Sprachen schwedisch, dänisch und norwegisch wie Dialekte voneinander. Kann man eine, kann man alle! Uns – die norwegisch gelernt haben – erinnert das Schwedische jedoch ein bisschen an die Schti’s. Das dänisch, dass wir am Kopenhagener Flughafen hören konnten, ist hingegen eine besoffene Version der norwegischen Sprache…zumindest aus unserer Sicht!

Abseits der Stadt finden wir dann doch noch das skandinavische „Feeling“, dass wir erwartet hatten. Große Wälder, weite Flächen und zwischendurch kleine Holzhäuser finden sich entlang der gut ausgebauten Autobahn. Vor unserem Bus fährt ab und an ein Auto, ansonsten sind wir allein. Gespannt warten wir auf einen Elch, doch es möchte sich keiner zeigen. Das Haus, das wir gemietet haben, steht mitten im Wald, ist rot und aus Holz. Auf dem Weg dorthin hatten wir ähnliche Hütten entdeckt, alles Ferienhäuser. So langsam habe ich den Verdacht, so wirklich stereotypisch skandinavisch“ ist es nur dort, wo für Touristen gebaut wurde. Aber egal! Schließlich habe ich es genau so erwartet und möchte dies nun auch genießen. Ein Klischee muss ich allerdings noch dementieren: Im „kalten Norden“ hatten wir besseres Wetter als in Deutschland zu diesem Zeitpunkt! 🙂

von Katja Beck

 

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