Aktuelles: Fastenzeit

Seit dem erstem März ist wieder Fastenzeit. Wir haben das zum Anlass genommen, uns weltweite Fastenbräuche näher anzuschauen.

Fast jede Religion kennt die Phase des Verzichts. Gläubige sollen sich in dieser Zeit auf den Glauben konzentrieren und ihrem Gott näherkommen. Hier eine Übersicht:  

Buddhismus: Fasten vor der Meditation

Im Buddhismus kennt man keine einheitlichen Fastenzeiten wie in anderen Religionen. Je nach Land und Glaubensrichtung gibt es verschiedene Traditionen.

Meist wird in Maßen gegessen. Buddha lehnte die Selbstkasteiung ab. Ein Mittelweg – weder Völlerei noch Hunger – sei ihm zufolge der richtige Weg. Mit vollem Bauch ließe sich nicht gut meditieren. Entsprechend verzichten die meisten buddhistischen Nonnen und Mönche das ganze Jahr auf ein Essen nach zwölf Uhr mittags.

Daneben gibt es Buddhisten, die auf eine Fastenkur schwören. Dabei essen sie nichts, trinken dafür umso mehr. Die Kur soll von innen heraus Körper und Geist reinigen.

Christentum: Fasten als Lebenswandel

Im Christentum findet die 40-tägige Fastenzeit alljährlich von Aschermittwoch bis Ostern statt. In dieser Zeit sollen sich die Gläubigen neu besinnen und Gott näherkommen. Schon im 4. Jahrhundert nach Christus gab es den Brauch, den auch heute noch viele praktizieren. Er erinnert an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbrachte. Dort musste er seinen Glauben unter Beweis stellen und Versuchungen des Teufels widerstehen.

Von Seiten der Kirche werden in den 40 Tagen keine Kirchenglocken geläutet, kein Gloria gesungen und auch Blumenschmuck verschwindet aus den Gotteshäusern.

Für Gläubige gibt es jedoch keine Vorgaben mehr. Ob Nikotin, Alkohol oder Süßigkeiten – jeder kann für sich selbst entscheiden, worauf er verzichten möchte. Oft hat die Enthaltsamkeit auch keinen religiösen Hintergrund. Vielmehr nutzen einige die Möglichkeit, um Vorsätze, wie etwa abzunehmen, in die Tat umzusetzen.

Islam: Fasten bis zum Sonnenuntergang

Der sogenannte Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und der Fastenmonat der Muslime. 30 Tage lang dürfen die Gläubigen zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nichts essen, trinken oder rauchen. Auch Geschlechtsverkehr ist untersagt. So soll die die Seele gereinigt und geläutert werden.

Das Fasten ist Teil der fünf Säulen des Islams. Sie sind die grundlegenden religiösen Pflichten, die ein Muslim erfüllen muss. Zum Ramadan gehört auch eine gewisse Nächstenliebe: Gastfreundschaft und Almosen für die Armen sind von großer Bedeutung. 

Judentum: Fasten unter 25 Stunden

Im Judentum geht die Gesundheit vor. Deshalb darf kein Gläubiger länger als 25 Stunden gänzlich auf Essen und Trinken verzichten.

Stattdessen gibt es einzelne Fastentage. Der Wichtigste von ihnen ist Jom Kippur. An diesem Tag sollen alle Sünden bereinigt werden. Es wird nicht getrunken, gegessen oder geraucht. Außerdem bleibt man sexuell enthaltsam, wäscht sich nicht und geht auch nicht zur Arbeit. 

Auch am 9. Aw, dem jüdischen Monat im Juli/August, darf nichts gegessen und getrunken werden.  Wie an den anderen 4 Fastentagen gedenken die Juden hier traurigen Ereignissen ihrer Geschichte. Am 9.Aw beispielsweise gedenkt man der Zerstörung der heiligen Tempel in Jerusalem (586 vor Christus und 70 nach Christus), dem blutigen Bar-Kochba-Aufstand 135 nach Christus und der Judenverfolgung durch die spanische Inquisition im 15. Jahrhundert.

Neben den 5 Trauertagen gibt es noch weitere Fastentage, an denen das Fasten aber nicht vorgeschrieben ist. Dazu zählt z.B. der eigene Hochzeitstag oder der Todestag der Eltern.

Orthodoxe Kirche: Fastenwochen im ganzen Jahr

Die orthodoxe Kirche verlangt den Gläubigen ein strengeres Fasten ab als in anderen Religionen. Über das Jahr hinweg gibt es mehrere mehrwöchigen Fastenzeiten: Sieben Wochen vor Ostern, eine Woche nach Pfingsten, das Koimesis-Fasten im August sowie die Fastenzeit im Advent, die Mitte November beginnt und bis zum 24. Dezember anhält.

Allerdings gibt es verschiedene Stufen des Fastens, die von Kirche zu Kirche verschieden gehandhabt werden kann. Beim strengen Fasten dürfen keine tierischen Produkte (außer Honig), kein Alkohol und kein Öl gegessen werden. Das leichte Fasten hingegen verbietet Wein, Öl und Weichtiere. In einer dritten Stufe ist das leichte Fasten außerdem mit dem Verzehr von Fisch erlaubt.

 von Katja Beck

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.